24. Mai 2026 · 3 Min Lesezeit

Grübeln kostet mehr als Scheitern

Ich wollte eine persönliche Website haben. Seit Monaten. Aber irgendwie war der Moment nie richtig. Zu beschäftigt. Zu unsicher was draufkommen soll. Zu viel Angst, dass es nicht gut genug aussieht. Bis ich einfach angefangen habe.

Ehrlich gesagt hatte ich keine klare Vorstellung davon, wie die Seite aussehen soll. Ich wusste nur: ich brauche eine. Für Bewerbungen, für Sichtbarkeit, als Anlaufstelle für Leute die mich googeln. Das war der Plan. Den Rest würde ich rausfinden.

Was mich lange aufgehalten hat, war nicht die Technik. Sondern die Frage: Was soll die Seite eigentlich können? Ich habe mich hin- und hergezogen gefühlt zwischen verschiedenen Richtungen — und irgendwo im Hinterkopf lief ständig das Mantra: Fokus. Fokus. Fokus. Also entweder das, oder das. Nicht beides.

Bis ich gemerkt habe, dass diese Logik hier nicht greift. Mit Claude kann man schnell viele Dinge ausprobieren. Man muss sich nicht vorher festlegen. Man kann einfach bauen und schauen, was sich richtig anfühlt.

Heute hat die Seite drei Pfeiler. Der erste ist persönlich: ich schreibe darüber, wie ich denke, was ich ausprobiere, was ich lerne. Nicht weil ich im Mittelpunkt stehen will — sondern weil ich zeigen möchte, dass die Leute, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen, im Grunde auch mit Wasser kochen. Das verbindet. Der zweite Pfeiler ist die Selbständigkeit: ob als Side Hustle oder mit Gründungszuschuss — ich teile, was gerade passiert, wie es sich anfühlt, was funktioniert und was nicht. Und der dritte ist schlicht praktisch: wer über mich stolpert und mehr wissen will, findet hier auch meinen Lebenslauf.

Ich habe die Seite gemeinsam mit Claude gebaut — einem KI-Assistenten. Kein Kurs vorher, kein Tutorial. Einfach angefangen.

Wie das abgelaufen ist

Kein Figma-Mockup vorher. Keine klare Sitemap. Ich habe beschrieben was ich will, Claude hat gebaut, ich habe geschaut, korrigiert, wieder beschrieben. Manchmal hat es auf Anhieb gepasst. Manchmal war die Seite komplett weiß, weil irgendwo ein Syntaxfehler steckte. Manchmal hat der Deploy in den falschen Ordner auf dem Server geschrieben — drei Stunden Fehlersuche für eine falsche Pfadangabe.

„Die Seite war nicht fertig. Sie ist es immer noch nicht. Aber sie existiert."

Das ist der Unterschied zu dem, was ich vorher gemacht hatte: gar nichts. Ich hatte Vorstellungen, Notizen, grobe Ideen — aber keine Seite. Jetzt habe ich eine Seite mit Fehlern. Und das ist besser.

Was mich überrascht hat

Ich bin kein Entwickler. Ich kann kein React, kein Git, kein FTP-Setup aus dem Kopf. Trotzdem habe ich eine Seite deployt, die automatisch auf Hostinger landet sobald ich einen Commit pushe.

Nicht weil die Technologie so einfach ist. Sondern weil ich aufgehört habe zu warten, bis ich alles verstehe. Angefangen, Fragen gestellt, Fehler gemacht, weitergemacht.

Was ich daraus mitnehme

Grübeln fühlt sich produktiv an. Es ist es selten. Die Zeit, die ich damit verbracht habe, über Design-Entscheidungen nachzudenken, die ich eh nicht alleine treffen konnte, hätte ich besser in einen ersten schlechten Prototypen investiert.

Das gilt für die Website. Es gilt für den Voice Agent, den ich gerade für Restaurants baue. Es gilt vermutlich für die meisten Dinge. Erst bauen, dann verstehen. Nicht umgekehrt.

Die Seite, die du gerade liest, ist das Ergebnis davon.